Sammelsurium

Gespräche in der realen, virtuellen, imaginären Welt mit Erwachsenen, Kindern und anderen Wesen.

Nichts geschafft


Frau: „Ich habe in den 38 Jahren meines Lebens ja bisher so gar nichts auf die Reihe bekommen!“

Ich: „Stimmt. Du bist von Drogen abhängig, sitzt im Knast, schlägst und misshandelst deine Kinder, die völlig asozial und verwahrlost sind, lebst mit einem prügelnden Ehemann zusammen, bist obdachlos, ausbildungslos, lügst und betrügst und liegst allen Leuten nur auf der Tasche.“

Frau: „Hey, spinnst du! Das bin ich alles nicht! Ich nehme keine Drogen, bin noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, ich liebe meine Kinder und bin und war nie gewalttätig ihnen gegenüber, sie sind sozial engagiert und haben ein glückliches Leben, den gewalttätigen Kerl habe ich schon vor langer Zeit verlassen, habe eine schöne, kleine Wohnung und einen passablen Job, von dem ich leben kann. Ich lüge und betrüge nicht und liege niemanden auf der Tasche! “

„Ach?! Nun, dann scheinst du doch sehr viel in deinem Leben auf die Reihe bekommen zu haben, oder? Also, worum geht es dir eigentlich? Was bedrückt dich?“

Warum nur kriecht das Selbstbewusstsein so vieler toller und taffer Frauen immer wieder unter der Teppichkante entlang?

Kleines Päckchen


"Öl wird teurer."
"Ja."
"Benzin wird teurer."
"Ja."
"Flüge werden teurer."
"Ja."
"Na, Begeisterung sieht aber anders aus!"
"Klimaschutz auch."

Teller leer essen


„Egal ob zu Hause oder im Kindergarten oder sonst wo gilt: Kinder müssen ihren Teller nicht leer essen, wenn sie das nicht wollen! Der Druck, der da oft von Eltern oder sonstigen Bezugspersonen ausgeübt wird, ist traumatisierend.“

„Mit traumatisierend übertreiben Sie jetzt aber, Frau Müller!“

„Ganz bestimmt nicht. Ich bin bis heute absolut essgestört und albträume ab und an immer noch von der Situation, dass ich oft bis abends vor meinem Teller sitzen bleiben müsse. Die Gerüche, die Farben, die Konsistenz der damaligen Lebensmittel triggern mich immer wieder aufs Neue. Ich kann damit umgehen, kann es reflektieren und zuordnen, letztendlich bleibt die Störung jedoch als grundlegendes Muster vorhanden und macht sich wieder und wieder bemerkbar. Es belastet und schränkt die Lebensqualität ein.“

„Nun ja, ein Einzelfall.“

„Sind Sie deppert?! Ich würde doch nicht darüber reden, wenn ich nicht so viele Menschen im Laufe meines Lebens mit dem gleichen Problemkreis kennengelernt hätte. Kein Einzelfall, so gar nicht! Im Gegenteil.“

Win-Win


"Wenn Sie auf einmal viel Geld hätten, was würden Sie tun, Frau Müller?"

"Ich würde ab sofort Coaching und Therapie für 2 Euro die Stunde anbieten."

"Warum denn dann nicht gleich ganz umsonst?"

"Der Akt der Bezahlung ist für das Setting äußerst wichtig. Ich bin nicht Freund, Freundin, Mutter, Vater, Oma, Opa, Chef, Chefin, Nachbar, Nachbarin, Partner oder Partnerin. Ich bin die Therapeutin. Der Zahlungsakt manifestiert dies. Er hilft bei der Wahrung der obligatorischen Distanz auf meiner Seite und bei der Annahme und Auflösung der Übertragssituation auf der anderen Seite."

"Und dafür langen 2 Euro?"

"Dafür würde auch 1 Cent reichen. Dem Bewusstsein und schon gar dem Unterbewusstsein ist der reale Tauschwert des Geldes schnuppe. Es geht um den Akt an sich."

"Aber dann würden Sie ja gar nichts mehr verdienen, Frau Müller!"

"Materiell gesehen nicht. Aber wir gingen ja auch davon aus, dass ich hier abgesichert wäre. Und immateriell ist die Zusammenarbeit mit mir immer eine Win-Win Situation. Daran würde sich ja nichts ändern."

Wille


"Kind, ich habe jetzt keine Zeit für dich."

"Ich muss aber jetzt bei dir sein, Oma."

(Leidender Blick und schiere Verzweiflung in der Stimme.)

"Ach, warum denn das?"

"Weil ich will! Da kann man gar nichts gegen machen."

Tiefkühltruhe

„Oma.“
„Ja.“
„Omaaaa.“
„Hmmm“
„Ich esse jetzt ein Eis.“
„Mach mal.“
Oma, willst du auch ein Eis?“
„Nein, ist mir zu kalt für.“
„Ja, es liegt ja auch in der Gefriertruhe.“
„Hm.“
„Das Eis.“
„Hm.“
„In der Gefriertruhe ist Licht.“
„Hm.“
„Im Zimmer, da wo die Gefriertruhe steht, da ist kein Licht.“
„Hm.“
„Es könnte ein Marder im Zimmer sein. So ein gaaaanz großer Marder.“
„Hm.“
„Oder etwas viel Größeres. Marder sind gefährlich. Etwas Größeres ist noch viel, viel gefährlicher.“
„Kind, wollen wir gemeinsam rüber gehen und dir ein Eis aus der Gefriertruhe holen?“
„Ja!“

Ein Strahlen huscht über ihr Gesichtchen und die Sonne geht auf. 

Tanzen

"Die Mama tanzt auch."

"Aber Oma, mein Tanzen ist viel schwieriger. Das können nur Kinder. Mama kann das nicht. Und du auch nicht."

"Na ja, Erwachsene können auch tanzen. Ist nur anders."

"Oma, ich wachse doch. Ich bin g e w a c h s e n!"

"Ja klar bist du gewachsen. Ich meine aber Erwachsene. So wie deine Tanzlehrerin."

"Die kann aber nicht tanzen. Die ist doch kein Kind!"

"Ja, sie tanzt eben wie eine Erwachsene."

"Hab ich doch gesagt. Die kann nicht tanzen. Das können nur Kinder. Weil es sooooo schwierig ist. Sie wächst ja auch nicht mehr."

"Erwachsene wachsen auch. Mehr innerlich, weißt du."

Sie denkt nach. Es qualmt quasi.

"Deswegen bist du so dick, Oma?"