Sammelsurium

Gespräche in der realen, virtuellen, imaginären Welt mit Erwachsenen, Kindern und anderen Wesen.

Sterben, so oder so.


„Ach, hören Sie doch auf, Frau Müller! Die meisten Coronatoten hatten doch Vorerkrankungen und wären eh bald gestorben.“

„Ja sicher, einige schon. Aber sie wären nicht elendig und alleine auf Intensivstationen verreckt, sondern wären vielleicht zuhause, im Kreis ihrer Lieben oder liebevoll begleitet in einem Hospiz gestorben. Und sie hätten vielleicht noch genug Zeit gehabt, einiges zu regeln und/oder in ihrem Sinne abzuschließen. Sich zu verabschieden. Das macht ja wohl schon einen Unterschied, oder? Oder!?“

Hummel


„Seit meiner Jugend träume ich von einer Wespentaille. Das wird wohl nichts mehr n diesem Leben.“ *seufz

„Ach komm, die Dinger werden eh überschätzt. Ich habe eine erstklassige Hummeltaille und die stand mir noch nie im Wege bei irgendwas.“ *strahl

Misslungene Kommunikation


"Wir sollten uns besser auf die künftigen Bedrohungen aus und in der Luft vorbereiten."

"Sag ich doch. Wir brauchen mehr Drohnen, Starfighter und überhaupt mehr Geld für Waffen!"

"Ähm, wir sprachen gerade über Viren. Über was sprachst du?"

Sofort!


„Sir A… S…, kommen Sie bitte mal in die Küche! Sofort!“

„Ohjeh, Frau Müller ruft mich bei meinem vollen Namen. War schön mit Euch. Mein Testament liegt im Schreibtisch, unterste Schublade, links.“

*allerliebstlächelnd

Gibt es nicht


„Den Virus gibt es doch gar nicht.“

„Wie kommst du denn auf den dünnen Ast?“

„Also, ich kenne niemanden, der den Virus hatte. Also gibt es den nicht.“

„Ähm. Ich kenne auch niemanden aus Petersburg. Dann gibt es diese Stadt wohl gar nicht.“

„So kann man doch nicht argumentieren, Frau Müller!“

„Exakt.“

Ich stelle fest: Mein Dialogwillen erreicht eindeutige seine Grenzen.

Datenschutz


„Ich musste heute im Restaurant meine Kontaktdaten hinterlegen. Eine Unverschämtheit! Wir werden ausspioniert!“

„Okaaay. Das schreibst du mir gerade auf Facebook. Von deinem Handy aus.“

Wo leben wir denn?


„Wir leben in einer Diktatur! Deshalb habe ich gestern dagegen demonstriert.“

„Du lebst aber noch, oder?“

„Klar.“

„Bist körperlich unversehrt und nicht im Knast?“

„Ja sicher.“

„Deine Familie wurde auch nicht wegen deiner Teilnahme an der Demo von Polizei oder anderen Staatsorganen behelligt?“

„Natürlich nicht!“

„Und du kannst auch offen und frei über deine Teilnahme in den sozialen Medien und in deinem sozialen Umfeld berichten?“

„Also hör mal, natürlich! Wo denken Sie, leben wir denn?“

„Eben! Wir leben ganz, ganz sicher nicht in einer Diktatur!“