Sammelsurium - Gespräche in der realen, virtuellen, imaginären Welt


„Du sagst, Geld mache nicht glücklich.
Du sagst, es käme im Leben auf ganz andere Dinge an.
Du sagst, du hättest dich nun entschieden mit ganz wenig zu leben und es gehe dir gut damit.
Du sagst all dies und noch viel mehr mit einem anklagenden Ton, so als wolle ich es nicht kapieren.
Du sagst dies alles so vorwurfsvoll, als sei ich deppert und stünde auf der Leitung.


Du, mein lieber Freund, übersiehst dabei etwas ganz Wichtiges:
Du hast dich entschieden! Du hast dich für Minimalismus, eine Form der modernen Askese, entschieden, nicht für Armut. Denn du warst niemals wirklich arm und wirst es niemals sein.
Deine Familie hat Geld und Firmen und Häuser. Du bist reich.
Hast du auf all das verzichtet? Hast du deinen Reichtum verschenkt?
Nein, du verzichtest nur auf einen bestimmten Konsum, wählst einen anderen Lebensstil.



Ich kann nicht wählen, denn ich bin arm.
Ich kann mich nicht entscheiden auf etwas zu verzichten, denn da ist nichts von dem ich mich lossagen könnte.
Ich kann mich nicht für deinen Minimalismus, deine Askese entscheiden, denn dein Minimalismus, deine Askese ist immer noch wohlhabender als mein tägliches Überleben.

Also komm mir nicht mit so einem Scheiß, mein Lieber!“




„Wie steht es denn so um Ihre Sexualität und Ihre Beziehungen, Frau Müller? Haben Sie noch klare Vorstellungen, Wünsche, Sehnsüchte? Immerhin sind Sie ja nun 63, da wird es doch wohl langsam etwas ruhiger werden, oder? Da wird man doch sicher großzügiger und dankbarer, wenn sich nochmal eine Chance auf Partnerschaft ergibt, oder?“

„Ähm.“

„Ist Ihnen die Frage zu persönlich? Als Therapeutin sollten Sie das ja locker beantworten können, oder?“

„Ähm.“

„Na? Und?“

„Allereigentlich geht Sie das einen Scheißdreck an.“


"Es ist so mutig, dass sich so viele Menschen, auch Promis, gegen die Hetze und Brandstifterei der AfD wenden!“

"Mutig? In der BRD? Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein!"

"Aber diese Menschen riskieren doch was!"

"Was denn? Ein bisschen Unbequemlichkeit? Einen kleinen Shitstorm? Ein paar Wählerstimmen? Den Unmut einiger Bekannten oder Fans?"

"Immerhin!"

"Nein, hier, in meinem Land, Haltung zu beziehen ist nicht mutig, sondern die Pflicht und das Recht eines Bürgers in einer Demokratie. Mutig ist es in einem Land Position zu beziehen, indem du für jedes kritische Wort um dein Leben fürchten musst. Mutig ist es, auf die Straße zu gehen, obwohl du weißt, dass du dort zusammengeschlagen und im Gefängnis landen könntest. Mutig ist es, wenn du deine Stimme erhebst, obwohl du weißt, dass du damit nicht nur dich selbst, sondern auch deine Familie lebensbedrohlich gefährdest. Mutig in Deutschland, weil man sich gegen ein Wiedererstarken von dumpf aggressivem Nationalismus und Rechtsextremismus wehrt? Komm mir nur nicht mit diesem Scheiß!"


„Spielen, Oma?“
„Nein.“
„Bütteeee!“
„Ist mir zu heiß.“
„Ich will aber!“
„Dann spiel doch. Ich will nicht.“
„Du bist gemein.“
„Okay.“
„Dann lieb ich dich jetzt nicht mehr!“
„Mach mal. Ich lieb dich.“
„Wenn ich dich nicht liebe, dann kannst du mich auch nicht lieben.“
„Doch, kann ich.“
„Das ist doch blöd!“
„Was?“
„Wenn ich dich liebe, dann liebst du mich. Wenn ich dich nicht liebe, dann liebst du mich auch.“
„Ja.“
„Richtig, richtig blöd!“
„Ne, das ist Liebe. Ist einfach so.“

KleinMadame grummelnd in der Ecke. War gespannt, was sie daraus machen würde.

Nächster Tag:

„Mein Bruder ist so anstrengend, Oma. Er macht mir als meine Sachen kaputt. Ich habe ihn dann halt nicht mehr lieb. Und manchmal muss ich ihn dann schubsen!“
„Ach?“
„Macht aber nix. Er liebt mich trotzdem.“
„Ja?“
„Und dann habe ich ihn auch wieder lieb. Weil er mich eben trotzdem lieb hat. Und er ist so süß, wenn ich ihn dann kuschele. Die Mama sagt, das sei normal, dass man sich streitet und doch liebt. Und die Mama hat immer recht, auch wenn sie nicht recht hat.“
„Wie kommst du denn darauf, dass sie immer recht hat?“
„Na, weil sie doch die Mama ist!“
„Mamas können sich auch irren, Kind.“
„Ich lieb sie aber trotzdem!“

Welch zorniger Blick.
Sie ist auf dem richtigen Weg. Eindeutig. 


„Sie sind doch eine Linke, Frau Müller!“

„Und Sie sollten endlich mal an der schon seit langem anstehenden Fortbildung teilnehmen. Käme gut.“

„Häh, welche Fortbildung denn?“

„Wie sortiere ich kompetent und zügig meine Ablage jenseits des alten Schubladensystems.“


„Das ist ein Schutzstein. Den trage ich immer in meiner Jackentasche.“

„Wie überraschend, Frau Müller. Ich wusste gar nicht, dass Sie auch eine esoterische Seite haben und mit Steinen arbeiten. Sehr schön!“

„Klaro, ich bin da ausgesprochen flexibel. Ich trage den bei mir, damit ich mit ihm, falls ich mich bedroht fühle, laut `Feuer, Feuer´ schreiend, die nächste Fensterscheibe einwerfen kann. Die Chance, dass dann jemand zur Hilfe herbeieilt, vervielfacht sich dadurch erheblich.“

„Oh, aber ich dachte.“

„Außerdem erhöht sich damit die Wahrscheinlichkeit, dass der/die vermutlichen Täter irritiert werden und zumindest kurz innehalten. Das gibt mir die Zeit, den Umständen entsprechend zu agieren.“

„Ähm, ich dachte, wir sprechen hier über Heilsteine.“

„Rauchquarz, leicht angeschliffen, mit scharfen Kanten. Schutzstein. Sonnenaufgeladen. Sagte ich doch. Präventionsmagie.“  


„Kommst du mit zur Klimademo?“

„Du weißt, dass ich von dem Klimakrisegedöns nicht viel halte.“

„Komm doch mit. Vielleicht lernst du was Neues.“

„Ne, lass mal. Ist auch viel zu heiß. Vierzig Grad. Tut mir nicht gut.“

„Ach?!“