Sammelsurium

Gespräche in der realen, virtuellen, imaginären Welt mit Erwachsenen, Kindern und anderen Wesen.

Duft


„Es liegt was in der Luft.“

„Könnten wir bitte zumindest während des Frühstücks
auf das Thema Corona verzichten!“

„Ich meinte, den milden Duft des Frühlings, verdammt.“

Aprilscherz


„Draußen scheint die Sonne und es ist richtig warm!“

„Ja klar, erster April und so.“

„Warum sind Sie nur immer so negativ, Frau Müller?“

„Weil ich, während Sie noch gepennt habe, schon in der Kälte bibbernd mit Hundi Gassi war. Außerdem habe ich von meinem Fensterplatz aus einen direkten Blick auf die trüben Wolken da draußen.“

„Fantasie, Frau Müller, Ihnen fehlt es einfach an Fantasie!“

„Und Sie sind Fakten resistent. Aber gut, wenn Sie meinen, es sei mild und sonnig draußen, dann dürfen Sie heute den Hof kehren und die Stühle abwaschen, damit wir dann gemütlich draußen sitzen können.“

„Ähm, so habe ich das jetzt aber nicht gemeint.“

„Ich aber schon. Und das ist kein Aprilscherz. Also, die Bermudas an und raus mit Ihnen.“

Gesellschaftliche Highlights in Zeiten der Quarantäne


„Oh, Sie haben sich ja richtig chic gemacht. Wo geht es denn heute hin?“

„Ich stell nachher die Mülltonnen raus.“

Hört auf mit 2015


"2015 darf sich nicht wiederholen!"

"Ähm, was war nochmal 2015 so Schlimmes in unserem Land passiert?"

"Na, die Millionen Flüchtlinge bei uns!"

"Und? Was hatte das denn für konkrete negative Folgen für dich? Also, Sachen, die es vorher nicht auch schon gab und dir unterm Arsch brannten?"

"Äh. Ja. Nun... Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit ... und so was."

"Ach, die gab es vorher nicht?"

"Sie verstehen gar nichts, Frau Müller!"

"Stimmt, ich verstehe dich nicht. Aber, da ich ja keinen Auftrag von dir habe und somit nicht deine Therapeutin bin, muss ich das zum Glück auch nicht."


*Anmerkung
Ich kann das Gerede von dem schrecklichen 2015 nicht mehr hören. Es ist reine Propaganda. Und auch die Linken bedienen mittlerweile diese Schiene. Klartext: Es ist nichts Schreckliches 2015 in der BRD passiert. Gar nichts. Außer, dass sich deutsche Waffenexporte erhöht hatten, die Schere zwischen Arm und Reich sich weiter geöffnet hat und Nazis Angst-Legenden aufgebauten, die ihnen dann Stimmen und Wähler zugespült haben.

Trendig


"Ich trete dann mal zurück!"

"Oh, Frau Müller ganz im Trend. Von was treten Sie denn zurück?"

"Ich mach Ihnen Platz in der Küche und erwarte ein perfekt angerichtetes Frühstück in genau 17 Minuten!"

Kritik versus Diskriminierung


„Sobald ich meine politische Meinung sage, werde ich diskriminiert!“

„Nein, wirst du nicht.“

„Werde ich doch, Frau Müller. Sofort kommen Kritiken und Angriffe!“

„(D)eine Meinung wählst du frei und eigenverantwortlich. Für diese kannst du kritisiert und beurteilt werden. Das gehört dazu. Diskriminiert wird man aber nur für Eigenschaften, die man nicht frei wählen kann. Also sowas wie Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft, sexuelle Veranlagung. Du wirst also nicht diskriminiert.“

„Sie sind blöd.“

„Da diese, deine Aussage, zwar eine leicht beleidigende, aber keine Diskriminierung ist, kann ich damit ganz unaufgeregt leben.“

Wo möchten Sie leben?


„In welchem Land würden Sie gerne leben, Frau Müller?“

„In diesem Land. Ich bin froh und dankbar, dass ich hier geboren wurde, aufgewachsen bin und immer noch lebe. Hier gab es in meiner Lebenszeit weder Krieg, noch Hungersnöte. Es gab keine Diktatur, keine Ermächtigung, keine lebensbedrohlichen Militäraktionen. Ich konnte zur Schule gehen, studieren, mich einbringen mit bürgerlichem Engagement. Ich musste nicht um mein Leben oder das Leben der Meinigen fürchten. Wenn ich mich gegen den Mainstream wandte, konnte ich dies offen und ohne einen nachhaltigen körperlichen Schaden zu nehmen tun. Ich konnte Form und Ausgestaltung meines Lebens eigenverantwortlich wählen.“

„Das ist aber sehr blauäugig, Frau Müller! In Ihrer Lebenszeit gab es die Zeit des Berufsverbotes, die Folgen von Hartz IV, Aufrüstung, Not und Elend der Arbeitslosigkeit, Diskriminierungen jedweder Art. und, und, und … unsere Demokratie, unsere Geschichte der letzten Jahrzehnte strotzen nicht gerade nur von Erfolgsgeschichten, sondern haben auch ihre dunkle Seiten und Schattenwelten.“

„Das bestreite ich nicht. In keiner Weise. Aber ich konnte und kann mich einbringen. Kann mich laut und öffentlich dagegen wehren. Kann mich engagieren und kämpfen. Kann wählen, ob ich hinnehme oder nicht. Das mag für viele Menschen, weil es so selbstverständlich ist, nichts Besonderes sein. Für mich war und ist es etwas Besonderes, weil es das eben nicht überall auf der Welt gab und gibt. Rückblickend kann ich doch sehen, was sich im Laufe von fast sechzig Jahren geändert hat. Und vieles davon ist gut. Es könnte noch besser sein, manches ist erschreckend schrecklich, aber es ist eben auch vieles gut.“

„Doch jetzt scheint sich einiges, auch hier, zu verändern, oder?“

„Meine Komfortzone in diesem, meinem Land hatte und hat natürlich seinen Preis. Bezahlt haben und bezahlen tun den die Menschen in anderen Ländern durch, in vielen Fällen durch uns oder mit unserer Hilfe geförderte, verdeckte, initiierte, Ausbeutung, Hunger und Krieg.

Ihr Tod, Leid und Elend ermöglichten unter anderem meinem Land und auch mir die Schaffung der Rahmenbedingungen für ein annähernd freiheitliches und friedliches Leben, in denen es möglich war mit Themen wie z.B. Gleichberechtigung, Inklusion, Rechtssicherheit, Aufbruch traditioneller Rollenbilder in Familie und Arbeitswelt, Bürgerinitiativen, Meinungsfreiheit, Erziehung, Selbstverwirklichung und vielen mehr real zu experimentieren und diese Schritt für Schritt neu zu gestalten.

Es war absehbar, dass dies in einer globalisierten Welt nicht immer so weiter gehen könne und ich, wir uns an der Bezahlung des Preises irgendwann würden beteiligen müssen. Diese Zeit kommt nun. Ich sehe dies jedoch als große Chance: Lassen wir die Menschen, die jetzt zu uns kommen, teilhaben an den Kenntnissen und Errungenschaften der letzten sechzig Jahre. Teilen wir mit ihnen unsere Lebensart, unsere gewonnenen und verfestigten Werte und unseren Wohlstand. Aus der sich daraus ergebenden Mélange werden wir letztendlich langfristig als Menschheit alle nur profitieren können. Davon bin ich zutiefst überzeugt.“