Sammelsurium

Gespräche in der realen, virtuellen, imaginären Welt mit Erwachsenen, Kindern und anderen Wesen.

Niveau, unter Teppichkante

 „Gibt es denn keine geileren Fotos von dir?“

„Welches hättest du gerne? Eins vom fertigen Abwasch oder eins von den geputzten Fenstern?“
Es gibt so Menschen, da könnt ich einfach zuschlagen. ... ... ... ... Also, den Messenger natürlich ... ... ... Zuschlagen, ähm, abwürgen, ... ... wegkicken ... ne, wegklicken ... also schließen. Ja, schließen, meinte ich. Den Messenger.
🤦‍♀️

Der Bewahrer

„Ich bin halt ein Konservativer, Frau Müller!“
 
„Heißt?“
 
„Ich will bewahren, was gut und richtig war und ist.“
 
„Okay. Gut und richtig sind immer kontextabhängig. Meint Zeit, Ort, Betrachter. Oder einfacher: Wer, wann, wo, warum. Wer bestimmt darüber was gut und richtig ist, an welchem Ort, in welchen historischen Zusammenhang, mit welcher Intention.“
 
„Na, jetzt werden Sie aber pampig Frau Müller!“
 
„Noch einfacher: Sie wollen bewahren, was gut und richtig ist. Also, wer entscheidet denn darüber was nun gut und richtig ist?“
 
„Na, ich!“
 
„Eben, das meinte ich doch.“ *andenkoppklatsch

Finsterwald

 „Wald. Ich hasse Wald. Er macht mir Angst und verwirrt mich. Ich mag die Ruhe der Wüste, die unendliche Weite und den Rhythmus des Meeres. Ich mag die Kühle und Klarheit hoher Gebirgszüge. Aber Wald? Igggiiit. Er flüstert und wabert, er verbirgt und täuscht. Es modert und krabbelt in ihm. Fäulnis wird bösartig versteckt unter verschämt lügendem Grün. Es bricht, knarrt, züngelt und schnurrt. Ein leises Murmeln, unverständlich, doch lockend, die ganze Zeit. Bäh, niemals könnte ich mich dort voller Gelassenheit aufhalten. Niemals. Ich meide ihn.“

„Oh, also dann wären Sie wohl nicht die richtige Person für eine Beisetzung auf einem Waldfriedhof, oder?“

„Nein, ganz sicher nicht. Nur über meine Leiche!“




Demos Berlin gegen Corona Maßnahmen


„Ich verstehe nicht, wie man zusammen mit Faschisten, Nazis, Rassisten und all dem Gesocks demonstrieren kann!“

„Und wer versteht schon, warum Sie daraus so ein Bohei machen, Frau Müller!“

„Aufhebens? Wenn Sie meinen.“

„Klar, denn Sie können es nicht ruhig und gelassen hinnehmen. Also, warum?“

"Vielleicht liegt es daran, dass ich noch persönlich Menschen kannte, die die Konzentrationslager überlebt haben. Oder mit Menschen zusammenlebte, die an Körper und Seele geschreddert aus dem Krieg kamen. Oder daran, dass ich als Kind und Jugendliche an dem pathologischen Schweigen der Erwachsenen fast erstickt bin. Oder einfach daran, dass ich gerne hier lebe und Gewalt und Hass zutiefst verabscheue. Oder schlichtweg daran, dass ich weiß, wohin eine rechte Haltung führt und worin sie wurzelt. Oder, oder … es gibt doch soooo viele gute Gründe, warum man gegen solche Zusammenrottungen sein muss und nicht schweigen darf.“

„Vielleicht sind Sie aber auch einfach nur eine kluge Frau, Frau Müller!“

„Danke, aber Schleimerei mag ich ebenso wenig.“

Spinnen


„Spinnen im Haus sind ein Indikator für besonders gutes Raumklima.“

„Ach wirklich? Ich werde Sie sanft daran erinnern, wenn ich Sie in den kommenden Tagen morgens eingesponnen als Nahrungsreserve im Bett finden werde.“

Zigeunerschnitzel

„Wenn Sie was gegen Zigeunerschnitzel haben, dann müssten Sie sich doch auch über ein Jägerschnitzel aufregen, Frau Müller!“

„Nun, ich glaube nicht, dass Jäger aufgrund ihres Jägerseins in Ausschwitz vergast worden sind, oder?“

Selbstgespräche


„Mit wem reden Sie da eigentlich die ganze Zeit, Frau Müller?“

„Na mit mir selbst. Danach fühle ich mich immer so wohlwollend angenommen und kompetent beraten.“